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Weihnachtskarte 2011
Zunächst freut es mich, dass sie sich für eine Interpretation meiner Weihnachtskarte interessieren.
Hörendes Weihnachtslied – wartend
Seit wann hört ein Lied?
Hier klingt schon an, das es um etwas geht das für mich die normalen Denkschemen durchbricht. Aber will Weihnachten eigentlich das? Ein Fest an der Wende, an dem die Tage wieder länger werden, das Licht länger schein. Wo etwas neu beginnt, ein neues Leben…
Oder sollte man Weihnachten nicht besser feiern wie andere Gedenktage, dort ist der und der geboren, punktum fertig.
Wenn es so ist, wäre es dann aber ein sakrales oder religiöses Fest oder Frage? Eine Frage jenseits jeder Religions- Konfessionszugehörigkeit. Oder ist diese Frage in unserer Zeit nicht mehr existent, sinnentleert und damit sinnlos, aus welchen Gründen auch immer.
Hörendes Weihnachtslied
Da ist einmal die Frage nach dem Lied und vielleicht fassen wir unsere Vorstellungen von Lied zu eng. Wir sprechen ja auch von Sprachmelodie, Sprachrhythmus usw. Und jede Sprache, jede Botschaft, ist in einem erweiterten Sinn ein Lied. Wir erzählen etwas und je nachdem welchen Inhalt wir haben färbt (und das ist ein schönes Wort) sich unsere Sprach gemäß dem gesprochenem Inhalt. Die Melodie der Sprache erschließt uns den emotionalen Inhalt des Gesprochenen.
Das Aquarell der Weihnachtskarte ist in meinen Augen ein Lied. Ein Schwingen in Farben, Rhythmen, Überlagerungen. Es will in seiner abstrakten Erscheinung noch nicht gleich an ein gefertigtes Gedankenbild anknüpfen. Wie z.B. da ist ein Stall zu erkennen, ach ja da ist schon alles ganz klar… Einerseits benötigen wir dieses Denken weil Sie sonst diese Zeilen gar nicht flüssig lesen könnten wenn wir über jeden Buchstaben nachdenken wollten. Andererseits macht diese Fähigkeit unseres Gehirnes es manchmal schwer uns auf wiederkehrende Ereignisse, die wir ja meist als Bild wahrnehmen, einzulassen. Dieses visuelle Lied hat in unserer Sprache sehr viel mit gesungem Lied zu tun. Denken Sie nur an den Ton – (Farb)ton, Färbung, Ryhthmus, sichtbar-hörbar gewordene Schwingungen, die eine Botschaft übertragen.
Die Weihnachtskarte erzählt in dem Aquarell, dass aus der Dunkelheit etwas hervorbricht. Das zählt vielleicht zum Grundthema der Weihnachtszeit. Polare Spannungen: Dunkel-Licht, Kind- Könige, arme Hirten - große Botschaft, …
Vieles liegt im Dunklen in unserem menschlichen Wesen. Dunkel meint hier nicht unbedingt Abgrund, etwas Negatives. Sondern Dunkel im Sinne von Unentdecktem, etwas das noch ans Licht gekommen ist, auf Entdeckung wartet wie ein Talent.
Dieses Grundthema der Weihnachtszeit ist manchmal in unserem Leben und Denken schon ein wenig abgeschlossen. Wir haben schon eine gute Schublade entdeckt wo wir diese Tage hineinstecken. Nicht mehr auf dem Weg sind, nicht mehr in Bewegung sind, nicht mehr Suchende nach einem neuen Leben, einem neugeborenen Kind. Unsere vorgefertigten Vorstellen von Weihnachten trennen uns vielleicht davon.
Aber doch bleibt die Frage: Ein Kind ist-wird geboren…
Ist dies nun eine Gedenkfeststellung wie der eigene Geburtstag, eine Glaubensfrage oder eine Frage die mich heute noch nach 2000 Jahren betreffen soll. Vielleicht auch alles zusammen in einem? Nur in verschiedenen Tonhöhen, wenn wir die Liedsprache weiter verwenden wollen.
Die Weihnachtskarte will einsteigen dort wo etwas unerwartetes passiert oder passieren kann. Dort wo wir noch keine Denkmuster angelegt haben. Kein Bild schon einem vorgefertigten Rahmen bildet indem wir sogleich etwas erkennen und unseren Erfahrungsschatz zuordnen können. Weihnachten ist vielleicht der Beginn einer Botschaft wo wir Neuland betreten, wie mit einem eigenen Kind. In der Weihnachtserzählung wird von jemanden berichtet dem später zugeschrieben wird er habe gesagt: „Ich bin gekommen damit ihr das Leben habt…“ wer lebt nun aber nicht gerne im Leben? Wer hat sich aber noch nicht selbst gefragt: „Ist das mein Leben? Ist das alles in meinem Leben?“ Und um welche Art von Leben ist dort die Rede?
Es ist für mich keine konfessionelle Frage, keine Frage die mit JA oder NEIN beantwortet werden kann. Eher eine Frage die einen das ganze Leben begleitet und sich immer neu und anders stellt.
Es ist auch nicht so, dass ich dort eine Antwort habe. Ich selbst tauche mit Hilfe der Karten, oder besser gesagt beim Erstellen der Karten oder auch dieses Textes ein in die Fragestellung warum das alles? Wo ergibt sich ein tieferer Sinn. Es kann doch nicht enden bei dem: „Frohe Weihnachten“
Das Fest ist doch an einem Zeit-Ort von Dunkelheit, suchen, auf dem Weg sein…
Betlehem (Bet Lechem) heißt übersetzt „Haus des Brotes“, im biblischen Sprach-Symbolgebrauch meint es: dort wo der Mensch Nahrung findet für sein Leben… wo er verwundert auf eine Botschaft trifft, etwas das ihn bereichert und Nahrung ist.
Weihnachten braucht vielleicht noch die Möglichkeit sich noch wundern zu können, wie ein Kind wenn es vor dem Weihnachtsbaum steht. Vielleicht ist es das, was wir tief in uns suchen, noch einmal die Möglichkeit „verwundert“ zu sein. Etwas, das uns dem Alltag entreißt. Als Kind hatten wir das, es wurde uns genommen… Aber wir wissen, oder vielleicht besser: fühlen es zu wissen, dass es eine andere Art von „Geschenk“ sein muß oder vielleicht geben muß. In der Sattheit unserer Tage muß es noch irgendwo etwas anders etwas geben…das mein Leben bereichert. Wenn der Mensch im Dunkeln steht, wird im das Licht bewusst.
Jenseits aller Interpretation, es geht eigentlich nicht um eine Karte oder um einen Text. Dies sind nur Mittel um die Gedanken auf etwas auszurichten. Jenseits dieser Interpretation ist es vielleicht wichtig inne zu halten und sei es nur für einen kurzen Augenblick und hineinzuhören in diesen Gedanken in das Bildlied „hörendes Weihnachtslied – wartend“.
Tibetanische Mönche erzählen vom ureigensten Klang und suchen ihre ureigenste Klangschale der ihr Ton im Universum ist. Christliche Theologie spricht von dem ureigensten Wort für jeden Menschen aus dem Heiligen, dem heilenden. Dem göttlichen Funken in jedem Menschen…
Aber was ist wenn es keiner hören will? Wenn keiner einer erwartungsvolle Sehnsucht verspürt wie Eltern die Ihr Kind nicht erwarten? Und wenn dieses ureigenste Neue aus dem heilenden, heiligem nicht geboren werden kann, weil es gar nicht gesucht wurde?
Auf dem Weg sein, hörend, empfangend, das etwas neu geboren werden kann. Eine Idee, eine Tat, ein Gedanke … ein Geschenk das einem zufällt und auffordert „ein Wort“ zu geben, eine Antwort.
Hörendes Weihnachtslied – wartend
Wartender
schwebender Klang
wartend
auf des Menschen Gesang
der fragend hört
den Klang
der dunklen Nacht
Antwort gib
im Lebenslied
schwebender Klang
wartend - auf des Menschen Gesang
Ihnen| Euch schöne Weihnachtstage